Marlen Letetzki

24.09. – 18.10.2015

Text
Magdalena Waldmann

Der Flüchtigkeit einer das Gegebene bloß registrierenden Betrachtung verweigern sich die Arbeiten von Marlen Letetzki. Auf der Ebene des Bildes, dem, was da ist, selbst, eruiert sie in ihren künstlerischen, die Grenzen der Sichtbarkeit auslotenden Experimenten die Frage, unter welchen Konditionen ein Erkennen möglich ist. Ob eines reduzierten, sich der Monochromie in seiner gegenseitigen Durchdringung annähernden Spektrums an dezenten, subtil auf einer glatt wirkenden Oberfläche aufgetragenen Farbtönen und einer motivischen Abstraktion entziehen die Bilder sich im oszillierenden Diffusen ostentativ der Evidenz klar zu identifizierender Entitäten. Nichts erschließt sich in dieser Absenz schreiender Kontraste augenblicklich. Die zunächst aus einer derart vordergrün-dig inszenierten Stille resultierende, suggerierte Harmonie und Ruhe hat einer der Ambivalenz, der Mehrdeutigkeit, wie Unentscheidbarkeit inhärenten forcierten Spannung und Nervosität zu weichen. Das vermeintlich stabile Fundament der im Alltag praktizierten Selbstverständlich-keit, Phänomene differenzierend isolierend automatisch zu begreifen, durch diese eine Kluft zwischen Denken und Betrachten offenbarenden Intransparenz strategisch sukzessive erodierend, wird der Rezipient sich dieser Differenz erst bewusst. In seiner Wahrnehmung stets sichtend auf der Suche nach profilierenden Konturen, bemüht um das Abgrenzen eines den Inhalt zu definieren-den Bedeutungsfeldes, wird er in seiner routinierten ein-und beurteilenden Perzeption irritiert. Wider der Klarheit einer auf Narration basierenden illustrierend kommentie-renden Repräsentation nunmehr mit der Ambiguität des Adäquaten konfrontiert, verliert der auf Distanz Gehaltene die Orientierung. Um mehr als dem streifenden Blick Gewährten zu sehen, bedarf es im Falle dieser selbstre-flexiven Vorstellungsbilder eines konzentrierten, sich annährenden Hinsehens. Dies impliziert ein kontinuierli-ches, die eigene Perspektive und Position re-evaluierendes Sich-selbst-in-Bezug-zum-Gemälde-Setzen. In diesem Prozess des Begegnens und Erlebens visueller Reize tritt das fassbare Was, das einem entwer-fenden Subjekt als konkretisiertes referentielles Objekt gegeben ist, im Changieren zwischen Repräsentation und Präsentation in den Hintergrund. Relevant für Letetzki, so scheint es, ist das Sehen.